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CORE_5 (Vollprojekt)

Früherkennung von Tumoren des Leber- und Gallenwegssystems bei Patienten vor Lebertransplantation

Die Diagnose von Tumoren der Leber (hepatozelluläres Karzinom - HCC) und des Gallenwegssystems (cholangiozelluläres Karzinom - CCC) ist häufig verzögert, weil charakteristische und frühzeitige Symptomen fehlen. Zudem gibt es keine einfachen Parameter, die im Blut erhoben werden können und das Vorhandensein eines Tumors bestätigen. Die sogenannten „Tumormarker“ sind lediglich für eine Verlaufskontrolle nach Therapie beziehungsweise Abschätzung und Einordnung von Risiken (Risikostratifizierung) geeignet. Die einzige heilende Therapie bei vorhandenen Tumoren stellt die Lebertransplantation dar. Ein fortgeschrittener Tumor schließt jedoch die Möglichkeit einer Transplantation aus. Entsprechend ist es wünschenswert, bösartige Gewebeverletzungen (Läsionen) möglichst frühzeitig zu erkennen und von gutartigen Veränderungen zu unterscheiden.

Eine vielversprechende Analyse ist die Untersuchung auf das Vorhandensein von MikroRNA im Gallensaft. Bei MikroRNA handelt es sich um kleine Moleküle, die die Aktivität von Genen bzw. deren Genprodukte beeinflussen können. Es konnte in einigen Arbeitsgruppen gezeigt werden, dass bestimmte MikroRNAs bei Tumorerkrankungen erhöht sind und diese in Zukunft bei der Diagnosestellung oder Therapie hilfreich sein könnten. Im Rahmen der ersten IFB-Förderperiode konnten wir zeigen, dass gewisse MikroRNA-Moleküle bei Gallenwegsproblemen nach Lebertransplantation erhöht sind. In diesen Untersuchungen fanden sich auch MikroRNA Moleküle, die bereits zuvor mit einer möglichen Tumorentstehung in Verbindung gebracht wurden.

Aufbauend auf diesen Ergebnissen, wurde ein Screeningverfahren durchgeführt, welches potentielle Kandidat-MikroRNA-Moleküle identifizierte. In der aktuellen Förderperiode sollen nunmehr diese MikroRNA-Moleküle im Kollektiv getestet werden. Es soll die Frage geklärt werden, ob sich diagnostisches und perspektivisch therapeutisches Potential für Gallenwegstumoren ergibt. Ein anderer interessanter Test ist die Proteomanalyse, also die Analyse der Eiweißzusammensetzung gewisser Körperflüssigkeiten (Urin, Galle, Blut). Kürzlich konnten wir bei Patienten mit primär sklerosierender Cholangitis (PSC, eine entzündliche Erkrankung der Gallenwege) zeigen, dass gutartige Gallenwegsveränderungen von bösartigen mit hoher Genauigkeit unterschieden werden können. Hierzu bedarf es einer Analyse des Urins und Gallensaftes hinsichtlich der Eiweißausscheidung. Bei Tumoren ergab sich ein verändertes Eiweißausscheidungsmuster, sodass diese Patienten identifiziert werden konnten.

Bei Patienten mit Leberzirrhose ist das Risiko für die Entwicklung eines Lebertumors (HCC) besonders groß. Der entwickelte Ansatz der Eiweißanalyse bei Patienten mit PSC soll nun auch bei Patienten mit Leberzirrhose zur frühen Erkennung eines Tumors genutzt werden. Des Weiteren können im Rahmen einer Gallensaftanalyse andere Marker bestimmt werden, die beispielsweise Entzündung anzeigen und somit zur Therapiekontrolle geeignet sind (Calprotectin, Angiopoietin). Insgesamt stellt ein Entzündungsreiz eine potentielle Gefahr für eine Tumorentstehung dar (insbesondere bei Patienten mit PSC).

(Projekt gefördert bis 30.06.2014)

Team

Prof. Dr. med. Tim Lankisch (Projektleiter)
Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie

Dr. med. Torsten Voigtländer
Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie

Publikationen

  1. Antineutrophil cytoplasmic antibodies in bile are associated with disease activity in primary sclerosing cholangitis. Lenzen H, Weismüller TJ, Negm AA, Wlecke J, Loges S, Strassburg CP, Manns MP, Lankisch TO. Scand J Gastroenterol. 2013; 48:1205-12.
  2. Biliary cast syndrome post-liver transplantation: risk factors and outcome. Voigtländer T, Negm AA, Strassburg CP, Lehner F, Manns MP, Lankisch TO. Liver Int. 2013;33:1287-92.
  3. Secondary sclerosing cholangitis following liver transplantation: a rare cause for graft failure]. Voigtländer T, Alten T, Lehner F, Strassburg CP, Manns MP, Lankisch TO. Z Gastroenterol. 2013;51:296-8.doi: 10.1111/ctr.12083.
  4. Screening colonoscopy in liver transplant candidates: risks and findings. Weismüller TJ, Bleich F, Negm AA, Schneider A, Lankisch TO, Manns MP, Strassburg CP, Wedemeyer J. Clin Transplant. 2013;27:E161-8.
  5. Urine proteomic analysis differentiates cholangiocarcinoma from primary sclerosing cholangitis and other benign biliary disorders. Metzger J, Negm AA, Plentz RR, Weismüller TJ, Wedemeyer J, Karlsen TH, Dakna M, Mullen W, Mischak H, Manns MP, Lankisch TO. Gut. 2013 Jan;62:122-30.
  6. Angiopoietin-2 and biliary diseases: elevated serum, but not bile levels are associated with cholangiocarcinoma. Voigtländer T, David S, Thamm K, Schlué J, Metzger J, Manns MP, Lankisch TO. PLoS One. 2014;9:e97046. doi: 10.1371/journal.pone.0097046.
  7. MicroRNAs in the bile of patients with biliary strictures after liver transplantation. Lankisch TO, Voigtländer T, Manns MP, Holzmann A, Dangwal S, Thum T. Liver Transpl. 2014;20:673-8. doi: 10.1002/lt.23872.
  8. Safety and performance of liver biopsies in liver transplant recipients. Alten TA, Negm AA, Voigtländer T, Jaeckel E, Lehner F, Brauner C, Wedemeyer H, Manns MP, Lankisch TO. Clin Transplant. 2014;28:585-9. doi: 10.1111/ctr.12352.
  9. Calprotectin in Bile: A Disease Severity Marker in Patients With Primary Sclerosing Cholangitis. Voigtländer T, Wlecke J, Negm AA, Lenzen H, Manns MP, Lankisch TO. J Clin Gastroenterol. 2014. [Epub ahead of print]. PMID: 24440929.
  10. Long-Term Results After Adult Ex Situ Split Liver Transplantation Since Its Introduction in 1987. Schrem H, Kleine M, Lankisch TO, Kaltenborn A, Kousoulas L, Zachau L, Lehner F, Klempnauer J. World J Surg. 2014 Jan 11. PMID: 24414197.