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Ablauf der Transplantation

Ist aufgrund einer fortgeschrittenen Leberschädigung eine Transplantation nötig, wird der Patient auf die Warteliste gesetzt. Zuvor klärt der behandelnde Arzt mit ihm folgende Fragen:

  • ob eine Organtransplantation die beste Wahl ist
  • wie die Risiken und Erfolgsaussichten der Transplantation sind
  • welche Probleme bei der Operation auftreten können
  • wie die gesundheitlichen, seelischen und sozialen Auswirkungen der Transplantation auf Familie und Beruf aussehen können
  • wie eine Transplantatabstoßung durch Medikamente (Immunsuppression) verhindert werden kann und welche Risiken und Nebenwirkungen es gibt
  • welche Kontrolluntersuchungen nach erfolgter Transplantation regelmäßig nötig sind

Bei der Lebertransplantation gibt es zwei Spendemöglichkeiten: die postmortale Spende und die Lebendspende. Bei der postmortalen Spende wird häufig kein ganzes Organ verpflanzt, sondern eine Teilleber (Splitleber). Dabei wird die Spenderleber in zwei Segmente aufgeteilt und an zwei Empfänger verpflanzt. das ist möglich, weil sich die Leber regenerieren und innerhalb weniger Wochen verlorenes Gewebe ersetzen kann. 

Nach ähnlichem Prinzip erfolgt auch die Lebendspende. Dabei spendet ein gesunder Erwachsener einen Teil seiner eigenen Leber. Die Lebendspende zeigt ein besseres Transplantatüberleben im Vergleich zu postmortalen Lebertransplantation. Dies ist bei der Verwandtenspende durch die immunologische Übereinstimmung im HLA-System begründet. Weitere Vorteile sind eine

  • bessere Planbarkeit des Eingriffs
  • verkürzte Ischämiezeit (Zeitraum der unterbrochenen Durchblutung eines Organs) und damit besseres Transplantatüberleben
  • gute Planbarkeit des Eingriffs mit medizinischer und psychologischer Vorbereitung
  • Entlastung der Warteliste

Ein Chirurg des zuständigen Transplantationszentrums wird zusätzlich über die Transplantationsfähigkeit entscheiden. Zur Aufnahme in die Warteliste wird der Patient vom behandelnden Arzt mit den vollständigen Untersuchungsergebnissen an das Transplantationszentrum gemeldet. Steht einer Transplantation nichts im Wege, wird eine Gewebetypisierung durchgeführt und der potenzielle Organempfänger bei Eurotransplant in Leiden angemeldet.

Die Aufnahme zur Transplantation erfolgt in der Regel durch die medizinische oder chirurgische Notaufnahme. Der Patient sollte idealerweise in einem Zeitraum von etwa einer Stunde nach der Benachrichtigung im Transplantationszentrum eintreffen.

In der interdisziplinären Transplantationsambulanz des IFB-Tx werden Patienten vor und nach Organtransplantation von einem Team von Fach- und Assistenzärzten aus den Bereichen Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Gastroenterologie und Nephrologie untersucht und behandelt. Dies geschieht in enger Kooperation mit den Hausärzten.

Im Krankenhaus werden zunächst Gewebeübereinstimmung, Blutgruppenvergleich, Erhebung des CMV-Status (Untersuchung auf bestimmte Viren) und wichtigste Verträglichkeitstests zwischen Spenderleber und Empfängerblut (Crossmatch) vorgenommen.  Befinden sich im Blut des Patienten Antikörper, die gegen die Zellen des Organspenders gerichtet sind, kann die Transplantation nicht stattfinden, denn das Einsetzen einer solchen "unverträglichen" Leber würde zu einer schweren Abstoßung führen.

Ein Erfolgsmodell des IFB-Tx ist die interdisziplinäre Transplantationsstation 85. Dort werden Patienten nach Leber- oder Nierentransplantation, aber auch Mehrfach- und Kombinationstransplantationen wie Niere und Pankreas oder Leber und Niere, vorrangig versorgt.

Auf der Transplantationsstation erfolgen weitere wichtige Untersuchungen wie die Blutentnahme. Nach einem Aufklärungsgespräch und bei vorliegender schriftlicher Einwilligung des Patienten folgt darauf die eigentliche Operation.

Nach der Operation wird der der Patient auf die Transplantationsstation zurückverlegt. Nur selten ist eine besondere Überwachung des Patienten auf einer Intensivstation notwendig. Weil das Immunsystem des Patienten das Spenderorgan als körperfremd erkennt und seine natürliche Abwehr in Gang setzt, muss der Organempfänger während und nach der Transplantation so genannte Immunsuppressiva einnehmen. Diese Medikamente unterdrücken das Immunsystem und verhindern so eine Abstoßung des Spenderorgans.