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Ablauf der Transplantation

Bei einer Lungentransplantation werden dem Patienten ein oder zwei Lungenflügel eines Organspenders eingesetzt. Diese übernehmen dann alle Aufgaben der geschädigten eigenen Lunge, die vorher operativ entfernt wurde. Die wichtigste Aufgabe der Lunge ist die Aufnahme von Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft ins Blut und die Abgabe von Kohlendioxid aus dem Blut über die Ausatmung.

Ist aufgrund einer fortgeschrittenen Lungenschädigung eine Transplantation nötig, wird der Patient auf die Warteliste gesetzt. Zuvor klärt der behandelnde Arzt mit ihm folgende Fragen:

  • ob vorher noch andere Therapiealternativen bestehen
  • ob eine Organtransplantation eine begründete Erfolgsaussicht (gemessen an verbessertem Überleben und Lebensqualität) hat
  • wie die Risiken und Erfolgsaussichten der Transplantation sind
  • welche Probleme bei der Operation auftreten können
  • wie die gesundheitlichen, seelischen und sozialen Auswirkungen der Transplantation auf Familie und Beruf aussehen können
  • welche Folgeprobleme etwa durch die medikamentöse Immunsuppression bestehen etwa durch das Vorhandensein von Begleiterkrankungen
  • welche Kontrolluntersuchungen nach erfolgter Transplantation regelmäßig nötig sind

Chirurgen, Lungenärzte und unabhängige Gutachter des zuständigen Transplantationszentrums werden über die Transplantationsfähigkeit entscheiden. Jeder Kandidat wird bei Aufnahme auf die Warteliste schriftlich über das Verfahren aufgeklärt. Zur Aufnahme in die Warteliste wird der Patient vom Transplantations-Arzt mit den vollständigen Untersuchungsergebnissen an die Eurotransplant in Leiden (Niederlande) gemeldet. Die Stiftung Eurotransplant ist verantwortlich für die Zuteilung von Spenderorganen in sieben europäischen Ländern, darunter Deutschland.

Steht einer Transplantation nichts im Wege, wird eine Blutgruppenbestimmung durchgeführt und die erforderliche Organgröße festgelegt. Kandidaten auf der Warteliste müssen ständig erreichbar sein und Veränderungen des Gesundheitszustandes müssen frühzeitig angegeben werden. Das Transplantationsbüro der MHH ist für diese Fragen rund um die Uhr besetzt und telefonisch erreichbar unter (0511) 532-2727.

Im Falle eines Organangebots wir der Patient telefonisch benachrichtigt und durch einen von der DSO organsierten Krankentransport von zu Hause abgeholt. Die Aufnahme zur Transplantation erfolgt in der Regel durch die medizinische oder chirurgische Notaufnahme.

In der MHH wird der Patient auf der Station 12 der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie (HTTG) aufgenommen.

Kinder und Jugendliche werden in der Lungentransplantationsambulanz der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie betreut.

Im Krankenhaus werden noch einmal Proben für die Antikörperbestimmung gegen Gewebemerkmale, den Blutgruppenvergleich, die Erhebung des CMV-Status (Untersuchung auf Zytomegalie-Viren) und ein Verträglichkeitstest zwischen Spenderorgan und Empfängerblut (sogenanntes Crossmatch) vorgenommen. Das Spenderorgan wird zwischenzeitlich im auswärtigen Krankenhaus durch ein Team von MHH-Chirurgen evaluiert und entnommen. In etwa 20 Prozent der Fälle zeigt sich bei der Entnahme vor Ort, dass das Organ doch nicht für die Verpflanzung geeignet ist. Erst wenn der Entnahme-Chirurg die Eignung des Organs festgestellt hat, wird der wartende Empfänger in den Operationssaal der MHH gebracht.

Eine Lungentransplantation muss durch Öffnung des Brustkorbes (meist als minimal-invasives Verfahren ohne Durchtrennung knöcherner Strukturen) durchgeführt werden. Durch dieses schonende Verfahren treten weniger Wundheilungsstörungen auf und es bestehen weniger postoperative Schmerzen. Bei der Transplantation werden in den meisten Fällen beide Lungenflügel übertragen.

Nach der Operation wird der der Patient beatmet und in Narkose auf die Intensivstation (Station 74 der HTTG) gebracht. Weil das Immunsystem des Patienten das Spenderorgan als körperfremd erkennt und seine natürliche Abwehr in Gang setzt, muss der Organempfänger während und nach der Transplantation so genannte Immunsuppressiva bekommen. Diese Medikamente unterdrücken das Immunsystem und verhindern so eine Abstoßung des Spenderorgans. Nach Sicherstellung der Funktionsfähigkeit des Organs und ohne weitere Komplikationen wird die Beatmung (meist nach ein bis zwei Tagen) beendet und der nun wache Patient auf die Intermediate Care Station (Station 12 der HTTG) verlegt. Meist sind noch eine geringe Sauerstoffgabe und Drainagen am Brustkorb notwendig. Wenn diese auch entfernt werden wird der Empfänger auf die Normalstation verlegt.

Komplizierte Verläufe im Falle von Infektionen, Nachblutung, Abstoßung oder Organversagen sind bei etwa zehn bis 15 Prozent der Patienten möglich und erfordern meist eine längere Beatmung und Aufenthalt auf der Intensivstation.

Alle Empfänger werden auf Normalstation und nach Verlegung zur Anschlussheilbehandlung intensiv geschult. Es werden regelmäßige Bronchienspiegelungen durchgeführt. Im Gegensatz zu anderen Organen ist die Spenderlunge so direkt zugänglich und Komplikationen lassen sich rechtzeitig erkennen.

Nach Krankenhausentlassung wird der Patient lebenslang in unserer Nachsorgeambulanz betreut. Auch bei weiter entfernt wohnenden Patienten erfolgt immer eine telefonische Beratung bei Problemen. In der Nachsorge-Ambulanz der Klinik für Pneumologie werden aktuell etwa 850 Patienten (Stand Ende 2014) nach einer Lungentransplantation regelmäßig betreut. Nachfragen zu gemeinsam betreuten Empfängern richten Sie bitte an unsere Transplantationskoordination per Telefon unter der Nummer (0511) 532-4681 oder -5841 oder per Fax unter (0511) 532-8094.

Jede Veränderung des Medikamentenregimes muss aufgrund der möglichen Wechselwirkungen und komplexen Behandlung mit uns abgesprochen werden. Zur Kontrolle der Organfunktion muss der Lungenempfänger

  • lebenslang zahlreiche Medikamente einnehmen
  • seine Organfunktion selbst überprüfen
  • sich vor Infektionen schützen (z.B. durch tragen eines Mundschutzes in Risikosituationen, Impfung und Vermeidung von Händekontakt)
  • aufmerksam auf Warnzeichen achten (z.B. Fieber oder Auswurf)
  • sich selbstständig in unserer Nachsorgeambulanz melden.

Eine hohe Therapietreue ist für den Langzeiterfolg einer Lungentransplantation maßgeblich. Die Langzeitüberlebensraten liegen in unserer Nachsorgeeinrichtung mit mehr als 60 Prozent nach fünf Jahren im Vergleich besser als die nationalen und internationalen Ergebnisse.