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Nierentransplantation

Die Transplantation einer Niere ersetzt ein krankes, nicht mehr gut funktionierendes Organ durch ein gespendetes Organ. Dieses Spenderorgan stammt entweder von einem verstorbenen Organspender oder von einem Lebendspender, welches ein naher Verwandter oder Partner sein kann. Die Transplantation eines fremden Organs wurde erst durch das Verständnis der Abstossungsreaktionen im Empfänger und deren erfolgreiche Behandlung durch entsprechende Medikamente, die Immunsuppressiva, möglich.

Der Ablauf einer Transplantation ist in der Abbildung dargestellt:

Behandlung chronischer Nierenerkrankungen

Eigentlich beginnt alles bereits mit der Erkrankung, lange vor der eigentlichen Organverpflanzung. In der Regel führen chronische Erkrankungen wie Zystennieren, chronische Entzündungen der Niere (Glomerulonephritis) aber auch Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck zum langsamen Verlust der Organfunktion. Bei Kindern und Jugendlichen sind angeborene Fehlbildungen der Nieren und des Harntraktes die häufigste Ursache von fortschreitenden Nierenerkrankungen. Diese Phase der Erkrankung kann sich über Jahre und Jahrzehnte hinziehen. Besonders in den fortgeschrittenen Phasen der Krankheit befindet sich der Patient in der Regel in der Obhut und Betreuung durch einen spezialisierten Arzt.

An der MHH gibt es in den entsprechenden Kliniken zahlreiche Spezialsprechstunden, in denen Patienten mit ihren Erkrankungen betreut werden. Anlaufstelle bei den Nierenerkrankungen sind die Spezialsprechstunden in der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen. Kinder und Jugendliche werden im KfH-Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche an der MHH diagnostiziert und behandelt.

Aufnahme in die Warteliste

Verschlechtert sich die Nierenfunktion weiter und muss bereits eine Dialysebehandlung in Betracht gezogen oder begonnen werden, sollten bereits die Vorbereitungen für eine Organtransplantation getroffen werden. Der erste Schritt dazu ist die Anmeldung für eine Nierentransplantation auf der sogenannten Warteliste. Die Anmeldung erfolgt in der Regel durch den behandelnden Arzt. Dieser prüft die Voraussetzungen für die Organtransplantation, untersucht den Patienten auf "Herz und Nieren" und gibt letztendlich eine Zulassung für die Warteliste. Kinder und Jugendliche werden in der Regel auf Station 64b innerhalb weniger Tage für die Nierentransplantation durch die Kindernephrologie vorbereitet. Ziel ist - wenn möglich - eine präemptive Nierentransplantation bereits vor Dialysebeginn durch eine Verwandtenspende, in der Regel eines Elternteils. Damit beginnt eine mitunter jahrelange Wartezeit, bis ein geeignetes Organ gefunden wird. Während dieser Zeit bleiben die Patienten im engen Kontakt mit der Transplantations-Ambulanz der MHH und stellen sich regelmäßig für Kontrolluntersuchungen vor. Auch Patienten, welche ein Organ von einem Verwandten gespendet bekommen, werden in der Tx-Ambulanz im Rahmen der Verwandten-Sprechstunde betreut. Kinder und Jugendliche auf der Warteliste werden kontinuierlich im KfH-Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche an der MHH betreut.

Organspende/Transplantation

Ist im Rahmen der am Eurotransplant-Netzwerk beteiligten Regionen ein geeignetes Organ gefunden worden, wird der Empfänger möglichst schnell benachrichtigt, kommt in die Klinik und wird, nach entsprechenden Vorbereitungen, so rasch wie möglich transplantiert (siehe auch: Ablauf der Transplantation). Die neu transplantierten Patienten werden an der MHH von Chirurgen und Internisten gemeinsam auf der Station 85 betreut. Kinder und Jugendliche werden direkt aus dem Transplantations-OP unter Begleitung des diensthabenden Kindernephrologen für eine Nacht stationär auf der pädiatrischen Intensivstation 67 betreut. Dann folgt die weitere medizinische Versorgung auf der kindernephrologischen Station 64b.

Rehabilitation

Bei unkompliziertem Verlauf erfolgt die Entlassung innerhalb weniger Tage (siehe auch: Komplikationen bei der Nierentransplantation). Meist schließt sich bei Erwachsenen an den stationären Aufenthalt eine Rehabilitionsphase an -  in der Regel in der eng mit der MHH zusammen arbeitenden Deister-Süntel-Klinik. Kinder und Jugendliche werden etwa zwei Wochen nach Transplantation stationär betreut und dann in die ambulante Betreuung durch das KfH-Nierenzentrum für Kinder und Jugenliche an der MHH entlassen. Für eine spätere Rehabilitation eignet sich besonders der Ederhof in Stronach/Tirol, der Dank der Initiative des früheren MHH-Transplantationschirurgen Rudolf Pichelmayr gegründet wurde.

Langzeitbetreuung

In den Jahren nach der Transplantation werden die erwachsenen Patienten gemeinsam von der Tx-Ambulanz und ihrem spezialisierten Facharzt, häufig einem Nephrologen, betreut. Zuerst sind die Visiten in Tx-Ambulanz wöchentlich, danach werden die zeitlichen Abstände zwischen den Untersuchungsterminen größer. Nur bei Komplikationen (siehe auch: Komplikationen bei der Nierentransplantation) erfolgt eine erneute stationäre Aufnahme, entweder auf der interdisziplinären Transplantationsstation 85 oder in der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen (Station 32 und Station 28). Bei Kindern und Jugendlichen erfolgt in der Regel eine kontinuierliche Betreuung im KfH-Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche an der MHH. Bei Komplikationen werden diese auf der kindernephrologischen Station 64b behandelt. Mit Beginn des 16. Lebensjahres wird langfristig eine Überführung in die Betreuung durch die internistischen Ärzte geplant.