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Ablauf der Transplantation

In Deutschland stehen etwa 10.000 erwachsene Dialysepatienten und etwa 200 Kinder und Jugendliche auf der Warteliste für eine Nierentransplantation. Etwa doppelt so viele Patienten leben mit einer funktionsfähigen Transplantatniere. 

Bevor ein Patient auf die Warteliste gesetzt wird, klärt der behandelnde Arzt mit ihm folgende Fragen:

  • ob eine Organtransplantation die beste Wahl ist
  • wie die Risiken und Erfolgsaussichten der Transplantation sind
  • welche Probleme bei der Operation auftreten können
  • wie die gesundheitlichen, seelischen und sozialen Auswirkungen der Transplantation auf Familie und Beruf aussehen können
  • wie eine Transplantatabstoßung durch Medikamente (Immunsuppression) verhindert werden kann und welche Risiken und Nebenwirkungen es gibt
  • welche Kontrolluntersuchungen nach erfolgter Transplantation regelmäßig nötig sind

Ein Chirurg des zuständigen Transplantationszentrums wird zusätzlich über die Transplantationsfähigkeit entscheiden. Zur Aufnahme in die Warteliste wird der Patient vom behandelnden Arzt mit den vollständigen Untersuchungsergebnissen an das Transplantationszentrum gemeldet. Steht einer Transplantation nichts im Wege, wird eine Gewebetypisierung durchgeführt und der potenzielle Organempfänger bei Eurotransplant in Leiden angemeldet.

Die Aufnahme zur Transplantation erfolgt bei Erwachsenen in der Regel durch die medizinische oder chirurgische Notaufnahme. Der Patient sollte idealerweise in einem Zeitraum von etwa einer Stunde nach der Benachrichtigung im Transplantationszentrum eintreffen. Bei Kindern und Jugendlichen erfolgt die Aufnahme auf die Station 64b durch den diensthabenden Kindernephrologen.

In der interdisziplinären Transplantationsambulanz des IFB-Tx werden Patienten vor und nach Organtransplantation von einem Team von Fach- und Assistenzärzten aus den Bereichen Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Gastroenterologie und Nephrologie untersucht und behandelt. Dies geschieht in enger Kooperation mit den Hausärzten.

Im Krankenhaus werden zunächst Gewebeübereinstimmung, Blutgruppenvergleich, Erhebung des CMV-Status (Untersuchung auf bestimmte Viren) und wichtigste Verträglichkeitstests zwischen Spenderniere und Empfängerblut (Crossmatch) vorgenommen.  Befinden sich im Blut des Patienten Antikörper, die gegen die Zellen des Organspenders gerichtet sind, kann die Transplantation nicht stattfinden, denn das Einsetzen einer solchen "unverträglichen" Niere würde zu einer schweren Abstoßung führen.

Ein Erfolgsmodell des IFB-Tx ist die interdisziplinäre Transplantationsstation 85. Dort werden Patienten nach Leber- oder Nierentransplantation, aber auch Mehrfach- und Kombinationstransplantationen wie Niere und Pankreas oder Leber und Niere, vorrangig versorgt. Kinder und Jugendliche werden vor und nach einer Nierentranplantation auf der Station 64b versorgt.

Auf der Transplantationsstation erfolgen weitere wichtige Untersuchungen wie die Blutentnahme und die Klärung der Notwendigkeit einer Dialyse vor der Operation. Nach einem Aufklärungsgespräch und bei vorliegender schriftlicher Einwilligung des Patienten folgt darauf die eigentliche Operation.

Eine Nierentransplantation dauert insgesamt etwa drei bis vier Stunden - von der Einschleusung in den Operationsaal bis zur Aufwachphase. Dann kommen erwachsene Patienten auf die Transplantationsstation zurück. Pädiatrische Patienten werden auf die Kinderintensivstation 67 verlegt. Nur selten ist eine besondere Überwachung des Patienten auf einer Intensivstation notwendig. Durch tägliche Blutentnahmen wird die Entgiftungsfunktion der neuen Niere kontrolliert. Von nun an muss der Patient täglich Medikamente einnehmen, die eine Abstoßung des Spenderorgans verhindern (immunsuppressive Therapie).

Bei der Nierentransplantation gibt es zwei Spendemöglichkeiten: die postmortale Spende und die Lebendspende. Die Lebendspende zeigt ein besseres Transplantatüberleben im Vergleich zu postmortalen Nierentransplantation. Dies ist bei der Verwandtenspende durch die immunologische Übereinstimmung im HLA-System begründet. Weitere Vorteile sind eine

  • bessere Planbarkeit des Eingriffs
  • verkürzte Dialysezeit (lange Dialysezeit ist ein Risikofaktor für ein schlechteres Transplantatüberleben)
  • gute Planbarkeit des Eingriffs mit medizinischer und psychologischer Vorbereitung
  • Entlastung der Warteliste

Bei Kindern hat aufgrund der großen Spendebereitschaft der Eltern die Lebendspende einen sehr hohen Stellenwert. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der deutlich schlechteren psychomotorischen Entwicklung von Kindern unter der Dialysetherapie auch von großer medizinischer Relevanz.

Kontaktdaten und Sprechzeiten zu Fragen vor und nach der Transplantation sowie zu Fragen zur Lebendspende finden Sie hier.