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12.08.2016 Kategorie: News

Dr. Richard Taubert präsentiert seine IFB-Tx Forschungsarbeit in Hongkong

Auf Einladung der Transplantationsgesellschaft (The Transplant Society – TTS) stellt Dr. Richard Taubert sein Abstract “Preferential accumulation of T helper cells but not cytotoxic T cells characterizes benign subclinical rejection of human liver allografts” auf dem diesjährigen 26. internationalen Kongress der Transplantationsgesellschaft vor, die vom 18. bis 23. August in Hongkong stattfindet. Der Vortrag basiert auf Daten aus seinem 2015 abgeschlossenen IFB-Tx Forschungsprojekt ISI_5 und dem Folgeprojekt ISI_6 und wurde für den Themenschwerpunkt "Tolerance - Immunological Aspects" ausgewählt.

Am Anfang standen die Untersuchungen der Abstoßung von Lebertransplantaten im Rahmen des Protokollbiopsieprogrammes der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie im Rahmen des Z2-Projektes des SFB738. Dabei fiel zunächst auf, dass sich in einem Viertel der Leberbiopsien auch viele Jahre nach Transplantation das Bild einer akuten Abstoßung findet, ohne dass die Leberwerte, die eine Leberschädigung anzeigen, wesentlich erhöht sind. „Das bedeutet, die Abstoßung bleibt klinisch stumm oder subklinisch“, erklärt Taubert. Diese Abstoßungsart kannte man bisher nur aus den ersten Tagen und Wochen nach einer Lebertransplantation. Die frühe Form ist nach bisherigem Verständnis harmlos und zieht auch ohne eine spezifische Behandlung keine Spätschäden nach sich. Jetzt konnte das Team um Richard Taubert erstmals zeigen, dass auch die späte Form der subklinischen Abstoßung eine gute mittelfristige Prognose hat, auch wenn sie nicht speziell behandelt wird.

„Bei der Untersuchungen von T-Lymphozyten in Gewebeschnitten von diesen Leberbiopsien fanden wir Hinweise für eine bessere Kontrolle von den sogenannten zytotoxischen T-Zellen, die bei der akuten (nicht stummen) Abstoßung eine wesentlich Rolle bei der Schädigung des Transplantates spielen“, sagt der Mediziner. Zu dieser Kontrolle scheinen auch regulatorische T-Zellen beizutragen, die als entzündungs- und abstoßungshemmende Zellen bereits in klinischen Studien therapeutisch erprobt werden. Die Forschungsergebnisse unterstreichen die schützende Rolle dieser regulatorischen T-Zellen, die offenbar auch viele Jahre nach Transplantation noch wirkt. Die jüngsten Arbeiten von Doktorandin Anne Höfer aus dem IFB-Tx Projekt ISI_6 zeigen zumindestens vorläufig, dass sich das Muster der Genexpression von 90 ausgewählten Genen in der Leber bei der subklinischen Abstoßung eher mit dem Muster einer Leberbiopsie ohne Abstoßung deckt, als mit dem einer akuten Abstoßung. „Und das obwohl die Leberbiopsie einer akuten und einer subklinischen Abstoßung für den Pathologen unter dem Mikroskop genauso aussieht“, betont Dr. Taubert.

Diese Erkenntnisse kann der Mediziner nun in Hongkong einem internationalen Fachpublikum präsentieren und zur Diskussion stellen – eine Auszeichnung der geleisteten Forschungsarbeit. „Dies ist mein erster Vortrag auf einer großen internationalen Fachkonferenz und ich freue mich, wichtige Anregungen für meine weitere Arbeit zu erhalten und neue Kontakte zu wissenschaftlichen Kollegen in der ganzen Welt für neue Kooperationen zu knüpfen.“ Der wissenschaftliche Fortschritt wäre ohne diesen direkten Austausch und diese Kooperationen ungleich langsamer.

Aktuell untersucht Tauberts Team die gesamte Genexpression (mRNA-Sequenzierung) in den Protokollbiopsien – und nicht nur einzelne Gene. Dabei hofft er auf ein besseres Verständnis der immunologischen Prozesse, die das Organ trotz des Bildes einer Abstoßung schützen. „Die Ergebnisse könnten dann in Zukunft zu gezielter wirksamen Medikamenten führen“, hofft Dr. Taubert. Außerdem widmet er sich in seinem Projekt ISI_6 stärker den Biopsien, bei denen die klinische Prognose noch nicht klar ist. Dieser Fall ist derzeit noch am häufigsten und trifft auf immerhin drei Viertel der Protokollbiopsien zu.